Landestypisches Ambiente: Die Lobby im Maritim-Hotel Wuhu, 100 Kilometer südwestlich von Nanjing. Das Hotel hat mehr als 600 Zimmer.

Marktdaten

Chinas Rolle im Hotelbusiness wächst

von Susanne Stauß

PEKING. Am 1. Juni 2016 öffnet in Offenbach bei Frankfurt das erste europäische Hotel der chinesischen New Century Gruppe, deutsche Hotelgruppen fassen weiter in China Fuß und chinesisches Kapital fließt nach wie vor im großen Stil nach Europa. Dennoch bleiben die Beziehungen zwischen Ost und West kompliziert. So sorgte etwa Barry Sternlicht, CEO von Starwood Capital, Ende 2015 für Aufsehen in der Branche, als er in verschiedenen TV-Interviews seine Skepsis gegenüber Investitionen in den chinesischen Hotelimmobilienmarkt ausdrückte und China gleichzeitig als ein Unternehmen bezeichnete, das sich als Land kostümiere: „Es gibt dort Regeln, von denen ich nicht sicher bin, ob ausländische Investoren ihnen trauen sollten und für das Risiko erhält man keinen Premium-Return“, so Sternlicht.

Gleichzeitig warnte der Manager vor einem Zusammenbruch des chinesischen Bankensystems und prangerte die chinesische Bauplanung an, deren Sinnhaftigkeit sich ausländischen Investoren oft nicht erschließe. Allerdings: Die von Sternlicht gegründeten Starwood Hotels & Resorts betreiben bereits rund 150 Hotels in China unter Management- oder Franchise-Verträgen, die Expansionsliste für die kommenden Jahre ist prall gefüllt.

Zahlreiche andere internationale Ketten, darunter auch deutsche oder deutschstämmige wie Kempinski (21 Hotels in China), Maritim (3 Hotels in China, 4 Projekte) oder Steigenberger (1 Hotels in China, 6 Projekte) managen inzwischen ebenfalls Hotels in der Volksrepublik und haben dort weitere Pläne. Zuletzt gaben die Ameron Hotels der deutschen Althoff-Gruppe auf der ITB 2016 ihren Markteintritt in Asien über ein Joint-Venture mit der chinesischen Plateno Group bekannt.

Plateno bringt Budgetmarke 7 Days Premium nach Europa

Chinesische Investoren und Hotelgesellschaften fassen derweil zunehmend außerhalb Asiens Fuß, ihr Interesse an internationalen Standorten ist ungebrochen. So hätte der chinesische Versicherer Anbang Marriott die Übernahme des Hotelkonzerns Starwood vereitelt, wäre er nicht wieder von Marriott überboten worden. Und chinesische Hotelmarken in Deutschland und Europa wachsen. So ist in diesen Tagen der Markteintritt der chinesischen Plateno Hotels Group mit der Budget-Marke 7 Days Premium in Europa verkündet worden. Das starke Interesse untermalte bereits Roland Paar, Regional Vice President der chinesischen Plateno Hotels (u.a. Louvre Hotel Group) im vergangenen Herbst auf dem Hospitality Industry Dialogue der Expo Real.

#SEITE#

Gleichgültig, in welche Richtung der Westen und China miteinander verhandeln: Kulturelle Unterschiede und daraus resultierende für den jeweiligen Geschäftspartner irritierende Denk- und Verhaltensweisen haben schon so manches Geschäft vereitelt. Was sind die Fallstricke? Roland Paar führt als Deal-Breaker Respektlosigkeit und Arroganz westlicher Geschäftspartner auf. Viele Probleme entstünden erst nach dem Vertragsabschluss, erklärte Qun Huang, Rechtsanwalt bei der Taylor Wessing China Group mit Sitz in Frankfurt. Habe sich ein Unternehmen aus China in Deutschland eingekauft, sei die Erwartungshaltung groß. Chinesen hätten grundsätzlich eine hohe Meinung von den Deutschen und setzen ihnen Ziele, die nicht immer leicht zu erreichen seien.

Erschwerend im Umgang mit chinesischen Investoren seien auch Unterschiede in der Gewichtung der Rechtssysteme. „In China ist erst einmal das Baurecht wichtig und dann das Arbeitsrecht“, so Huang. So habe ein chinesischer Unternehmer nicht verstehen können, dass er nicht einfach wie geplant 500 chinesische Arbeitskräfte nach Deutschland mitbringen könne. Ein anderer Investor erhielt keine Genehmigung für ein 20-stöckiges Luxushotel in einer Kleinstadt. Selbst die jüngere Generation Chinesen mit Auslandsstudium und hervorragenden Englischkenntnissen orientiere sich noch an Konfuzius und vermeide beispielsweise direkte Konflikte, weiche gerne aus oder lasse Dinge versanden.

Mitarbeiter schulen

Wie wichtig bestehende Kontakte in diesem Land für ein Unternehmen sind, unterstrich die Steigenberger Hotel Group mit der Ernennung von Oliver Sendlinger zu ihrem Vertreter im Land. Der Deutsche bringt 15 Jahre Erfahrung in China mit und vertritt mit seiner Consulting- und Marketing-Agentur internationale Ketten bei der dortigen Marktbearbeitung. Und Meliás Vice Chairman und CEO Gabriel Escarrer reiste extra mit seinem ganzen Senior Executive Team nach Asien. Die Gruppe betreibt derzeit zwei Hotels in China, bis 2017 sollen sechs weitere öffnen, gleichzeitig will man bei Chinesen für die anderen Häuser weltweit werben. Für chinesische Gäste hat Meliá das globale Programm „PengYou by Meliá“ entwickelt, das schrittweise in 80 ausgewählten Häusern, vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, eingeführt wird. „PengYou“ (übersetzt „Freund“) umfasst umfangreiche Schulungen für die Mitarbeiter, Mandarin sprechendes Personal, chinesische Fernsehkanäle und Infomaterial, spezielle Menüs und Minibar-Snacks sowie die Annahme der chinesischen Kreditkarten von Union Pay. Die spanische Kette kooperiert zudem mit dem führenden chinesischen Online-Reiseanbieter CTrip und intensiviert die direkte Ansprache der Konsumenten über sein Portal und chinesische Soziale Netze. Besonders beliebt bei den Chinesen ist hier WeChat, eine Handy App, über die chinesische Hotelunternehmen beispielsweise ihr komplettes CRM, Buchungen und sogar Loyalty-Programme abwickelten. Angestrebt wird von Meliá zudem die China Outbound Tourism Quality Service Certification der Nationalen Tourismusbehörde Chinas.

Und welche Ziele in Deutschland werden bei Chinesen beliebter? „Da immer mehr Chinesen mit ihren Familien reisen, sehe ich die Deutsche Märchenstraße im Kommen“, so Wolfgang Arlt auf der ITB. Auch Weinorte seien gefragt, und als neue Destination im Zuge des Roten Tourismus kristallisiere sich nach dem bereits eingeführten Karl-Marx-Geburtsort Trier jetzt Wuppertal, die Geburtsstadt von Friedrich Engels, heraus.