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Hoteldesign

Schickes Quartier in Garmisch

von Karin Gabler

GARMISCH. Ende vergangenen Jahres wurde im historischen Herzen von Garmisch-Partenkirchen das Bio-Hotel Quartier eröffnet. Die markante Anlage mit vier „Bergspitzen“, unter denen sich 18 Lodges befinden, war ein Zufallsprodukt. „Eine Art ungewollte Schwangerschaft“, erzählt der ehemalige Banker Theo Peter, der vor rund 30 Jahren ausgestiegen ist und seitdem vornehmlich Wohnprojekte entwickelt und realisiert. Genau dafür war er auch ins Spiel gekommen, als sich die Gemeinde mit einem Areal beschäftigte, auf dem ursprünglich ein 5-Sterne-Hotel angedacht war, das jedoch per Bürgerentscheid in letzter Minute abgeschmettert worden war. „Die Bürger wollten ein lebendiges Quartier“, sagt Peter, der durch sein Privathaus in Holzständerbauweise am Starnberger See viel Aufsehen erregt hatte und daher prädestiniert war für das städtebauliche Vorhaben.

Frage des Schallschutzes

Der engagierte, lebhafte Endsechziger schrieb ein 16-seitiges Konzept, das heute zu 90 Prozent realisiert ist: mit 27 Wohneinheiten und drei restaurierten Altbauten. Auch bei der Finanzierung ging er neue Wege, indem der VEHBL Verein zum Erhalt der historischen Bau- und Landschaftsstruktur gegründet wurde, in der jeder Eigentümer beziehungsweise jedes Mitglied seine vorgegebene Einheit auf eigene Rechnung realisiert. Bei diesen Maßnahmen rückte die alte Villa am südlichen Eck des Areals ins Visier: 1906 gebaut, ist die Villa Friedheim eines der ältesten Gebäude von Garmisch. Es gab Angebote von allerlei Einzelhandelsgeschäften, bald wurde jedoch klar, dass es kein schlüssiges Konzept gab, das zur Qualität eines „lebendigen Quartiers“ passen könnte.

Da auch die Frage des Schallschutzes gegen die stark befahrene St. Martin-Straße von Bedeutung war, entschloss sich eine neu entstandene Baugemeinschaft, das 1800 Quadratmeter große Grundstück, auf der die Villa stand, zu kaufen. Und dann stieg Theo Peter an einem sonnigen Tag im Jahr 2013 auf den Wank. Oben in 1780 Meter Höhe inspirierte ihn der Blick auf den Ort zu einer Ideenskizze für ein Apartmenthotel. Doch keine Bank im Ort wollte das Projekt des Querdenkers finanzieren. Letztlich fand sich eine Genossenschaftsbank in Oberbayern, die allerdings eine private Baugemeinschaft mit fünf Gesellschaftern voraussetzte, die für alles haften.

Während der Bau der Wohneinheiten 2014 begann, starteten die Arbeiten für das Hotel erst im Februar 2015. Ende 2016 war dann die Eröffnung. „Wir sind in diesem Tourismusort mit 1,5 Mio. Übernachtungen pro Jahr tatsächlich die erste Hoteleröffnung seit 1984“, so Peter. Die Leitung hatte der Architekt Felix Bembé, die besonderen Vorgaben kamen allerdings von Theo Peter und seiner Frau Eva, die sich in erster Linie um die Inneneinrichtung des Hotels gekümmert hat.

Hängende Gärten

Basisstation des Hotels, das sie konsequenterweise Quartier nannten, ist die Villa, die eine „unfassbar gute Bausubstanz“ hatte. Fast 20 Jahre stand sie leer. Man konnte teilweise den Originalzustand bewahren, inklusive des alten Treppenhauses und der alten Fliesen. Lediglich die Fenster mussten neu verkittet und die Fassade behutsam überarbeitet werden, Heizung und Elektrotechnik installiert und das Dach neu gedeckt werden. „Ansonsten haben wir dem Haus keine Gewalt angetan“, versichert Peter, der von der Resonanz der alteingesessenen Garmischer überrascht ist, die ihr Kommen zum Kaffee und Sonntagsbraten kaum erwarten konnten.

In der zu neuem Leben erweckten Villa sind jetzt Rezeption, Tagesbar, eine Bibliothek mit offenem Kaminfeuer, ein Seminarraum mit Sonnenbalkon und 60 uralten Stühlen sowie im Souterrain ein Veranstaltungsraum mit hängenden Gärten untergebracht. Die Dienstleistungen für die Hotelgäste sind reduziert, trotzdem können sie wie im Hotel leben, wenn sie es wollen – also auch frühstücken und Bio-Gerichte essen. Direkt an der Villa beginnt der Neubau, mit einer Innen-Außenverbindung in Form einer überdimensionalen Leiter aus Beton. Der daran anschließende neue Teil ist aus Mehrschichtenholz, einer massiven Fichte, gebaut. Das Holz wird dafür in großen Elementen in der Werkstatt vorgefertigt und lässt sich präzise montieren. Auch die Wände zwischen den einzelnen Apartments sind aus Holz, lediglich der Fußboden ist gegossener Estrich wegen des Tritt- und Schallschutzes. Bauen mit Holz ist für Theo Peter vor allem mit Blick auf die Energiebilanz interessant: „Allein durch die bewusste Wahl des Materials Holz haben wir nur ein Drittel der CO2-Belastung wie beim Massivbau“, erläutert er. Erhebliche solare Gewinne werden durch die große Verglasung sowohl der Nord- als auch Südfront der Lodges erreicht. Zudem hat die Baugemeinschaft für die gesamte Anlage ein Nahwärmenetz errichtet, das statt fossiler Energieträger mit Holz-Pellets auskommt – unterstützt durch optimale Dämmung und natürliche Lüftung.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in HOTELDESIGN am 18. März.