Modern und geradlinig: Die Zimmer im Hotel Brummell
Modern und geradlinig: Die Zimmer im Hotel Brummell
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Konzept

Wo sich der moderne Dandy zu Hause fühlt

von Alexandra Leibfried

BARCELONA. Schon einmal etwas von George Bryan Brummell (1740-1840) gehört? Er soll fünf Stunden gebraucht haben, um sich anzuziehen, den gestärkten Hemdkragen erfunden und seine Stiefel mit Champagner geputzt haben. Er war der Sohn eines englischen Politikers und gilt als der erste Dandy überhaupt. Er bevorzugte gedeckte Farben und machte den modernen Herrenanzug mit langen Hosen und geradlinigem Jackett salonfähig. Auch die Krawatte hat er etabliert.

Von dieser Figur inspiriert hat Christian Schallert (38) ein Hotelkonzept ersonnen. Eröffnet im Juni 2015, schafft es das Hotel Brummell, sich von der Masse auf dem Hotelmarkt Barcelona abzuheben. Das Gebäude am Montjuic (katalanisch: Hausberg) im aufstrebenden Viertel Poble Sec entdeckte Schallert vor rund drei Jahren, nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte er es kaufen. Von außen ist das Haus geblieben, wie es 1870 erbaut wurde. Innen wurde es komplett umgebaut - modern und geradlinig eingerichtet, auch Sauna und Swimmingpool durften nicht fehlen. "Das Einzige, was innen noch gleich geblieben ist, sind die Holzbalken zwischen den Stockwerken", erzählt Schallert. Eingerichtet sind die Zimmer nach Maß mit modernem Mobiliar, dazu ausgewählte Antiquitäten aus Sri Lanka. Dazu erhält der Gast Produkte der Öko-Kosmetiklinie Malin&Görtz.

Wieviel er in sein Hotel investierte, verrät Schallert nicht. Aber mit wieviel Überzeugung er für seinen Traum kämpfte, berichtet er der AHGZ: "Ich habe alles verkauft, was ich besaß, habe meine engste Familie überzeugt zu investieren und noch Geld von einer spanischen Bank erhalten - nach sechs Monaten Überzeugungsarbeit." 50 Prozent der Immobilie gehören Schallert, der auch Betreiber ist und zu 80 Prozent als Hoteldirektor arbeitet. Die anderen 50 Prozent hält sein Schwager als stiller Teilhaber. Die Durchschnittrate liegt aktuell bei 130 Euro, in ganz Barcelona laut einer Erhebung von Statista bei 124 Euro. Insgesamt bietet das Brummell 20 Zimmer in unterschiedlichen Kategorien und zwei Appartments, zudem vermietet Schallert fünf weitere Brummell-Appartments im Zentrum von Barcelona.

Schallert, der selbst aus einer Gastronomen-Familie aus Vorarlberg (Österreich) stammt, definiert sein Hotel nicht nur über das Design, sondern auch über den Kontakt mit den Gästen. Er bietet ihnen Erlebnisse an, die über das gängige touristische Angebot hinausgehen. Ein Freundin aus Kindheitstagen steht für Yogastunden- und Workshops bereit. Jeden Dienstag läuft Schallert selbst mit Gästen und einem Personal-Trainer den Hausberg hinauf. Oben auf dem Berg findet ein gemeinsames Workout statt. Auch E-Bike-Touren stehen auf dem Programm. Seine Zielgruppe sind Gäste 30+ - "Gäste, die Lust auf Details haben". Er unternehme mit Gästen das, was ihm selbst Spaß mache, so Schallert. Ganz wichtig für ihn: Im Hotel arbeiten Menschen aus der Nachbarschaft, die viele Insidertipps zu bieten haben.

Schon bei der Gästegewinnung beginnt er mit der persönlichen Note. Denn Kunden, die seinem Aufruf folgen, direkt über die Hotel-Homepage zu buchen, erhalten Vergünstigungen: Einen halben Tag lang ein City-Bike gratis, 10 Prozent auf Produkte im Hotelshop sowie ein Begrüßungsgeschenk. Schallert arbeitet aber auch mit Booking.com und Tablet Hotels zusammen. Durch sein Vertriebsmix gelingt ihm nach eigenen Angaben eine durchschnittliche Auslastung von 90 Prozent. Die Kalkulation der Zimmerpreise hat der Hotelier einer Agentur übergeben. Abhängig von der Nachfrage liegen sie zwischen 100 und 200 Euro pro Nacht. "Wenn Mandonna um die Ecke spielt, wird es richtig teuer", witzelt Schallert. #SEITE#

Vor zwölf Jahren kam der Abenteurer aus Höchst nahe der Schweizer Grenze nach Barcelona, "in die Stadt am Mittelmeer, wo er sich sofort Zuhause fühlte". Barcelona habe die richtige Größe, um sich mit dem Fahrrad oder Motorrad fortzubewegen, so der Hotelier, der dort eine Heimat und eine Partnerin gefunden hat. In den vergangenen Jahren hat er einiges ausprobiert: Er studierte Wirtschaft, lerne aber in Barcelona um auf Grafiker und Fotograf. Er begann, seine Fotos als Postkarten zu verkaufen und designete Souveniers - die mittlerweile nach eigenen Angaben in 100 Geschäften verkauft werden. Er renovierte auch Appartments und vermietete sie über Airbnb. Die Stadt und ihr Lifestyle begeistern ihn, er liebt Kunst und Kultur. Der Traum vom eigenen Hotel begann, als er das Gebäude entdeckte. Er hat aber auch nie aufgehört, als Künstler zu arbeiten. So hat Schallert in die Zimmer ein eigenes Kunstprojekt integriert und Fotos an den Wänden hängen, auf denen er Menschen aus der Nachbarschaft mit Blumenköpfen statt ihrem eigenen Gesicht darstellt. Zudem stellt er in seinen Appartments und im Restaurant auch Arbeiten und Projekte anderer lokaler Künstler vor.

Momentan feilt Schallert an einem neuen Konzept für das Hotelrestaurant The Box Social mit insgesamt 70 Plätzen. Bisher hat er "innovative Gerichte von einem australischen Koch" angeboten. Zum kulinarischen Angebot gehörte auch ein eigenes urbanes Gemüsefeld und ein Kräutergarten. Was er genau plant, will er noch nicht verraten. Aber das Motto steht schon fest: "Locals meet travellers". Ein andere, schönes Detail: Gäste können sich Frühstück aufs Zimmer bringen lassen und den Blick über Barcelona dabei genießen.

Eine weitere individuelle Note des Hotels für Gäste ist der Hotelshop. Außer dem Fahrradverleih finden sich hier besondere Souvenirs, ausgewählte Produkte Made in Barcelona, Magazine, Polaroid Kamaras, Taschen und Postkarten. "Wir haben auch eine kleine Druckerei, wo wir unsere eigenen Karten drucken", fügt Schallert noch hinzu.